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Faszination Norden: Kurzlebiger Hype oder dauerhafter Trend?

Wie sich der Tourismus in den Hauptstädten Skandinaviens entwickelt
28. Februar 2018

Immer häufiger verschlägt es Urlauber in die Metropolen Skandinaviens, anstatt der Kälte in Richtung Süden zu entfliehen. Stockholm, Oslo, Kopenhagen und Helsinki gehören zu den Favoriten vieler Reisender. Neben unberührter Natur überzeugen die Städte mit sauberen Straßen und umweltbewussten Mentalitäten.

Der Trend zeigt sich vor allem in den gezählten Übernachtungen der nordischen Hauptstädte.

Abbildung 1: Übernachtungen aller Unterkunftsformen im Gesamtjahr 2017, ausschließlich innerhalb des Stadtgebiets;

Quelle: TourMIS

Rikke Førby Nielsen von Copenhagen Market Relations, äußert sich zur Grafik: „Bezogen auf die absoluten Zahlen liegen Kopenhagen und Stockholm sehr nahe beieinander, was auch für Oslo und Helsinki der Fall ist. In Bezug auf das Wachstum liegen Kopenhagen, Stockholm und Oslo sehr nahe beieinander, während Helsinki leicht zurückfällt.“

Stockholm ist Spitzenreiter der vier Hauptstädte in Sachen Übernachtungen. Laut Magnus Hessbo, Marketing Manager von Visit Stockholm, sei der Trend nach wie vor steigend. Vor allem internationale Übernachtungen nähmen immer mehr zu, was ein Anstieg von zehn Prozent im letzten Jahr zeigte.

Auch in Kopenhagen ist ein deutlicher Aufwärtstrend erkennbar. Die dänische Hauptstadt verzeichnete im Jahr 2017 ca. 8,1 Millionen Übernachtungen und ist damit beim jährlichen Wachstum an erster Stelle. Das Land Dänemark insgesamt zählte insgesamt fast 52,3 Millionen Übernachtungen von internationalen und einheimischen Touristen.

Abbildung 2: Übernachtungen aller Unterkunftsformen im Gesamtjahr 2017, ausschließlich innerhalb des Stadtgebiets und im gesamten Land.

Quelle: Danmarks statestik

Die Besucherzahl ist auch in Helsinki in den letzten Jahren leicht gestiegen. Im Jahr 2017 überschritt die Zahl der Übernachtungen in der finnischen Metropole erstmals die Vier-Millionen-Grenze, was ein Jahreswachstum von 13 Prozent bedeutete. Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Besucher ist um 15 Prozent gewachsen, während die Zahl der Übernachtungen inländischer Besucher um zehn Prozent stieg.

Abbildung 3: Übernachtungen im Stadtgebiet Helsinki, 2010 bis 2018 (Januar – September)

Quelle: Helsinki Marketing

Jenni Pöyry, Sprecherin von Helsinki Marketing zur Entwicklung der Stadt: „Der Tourismus in Helsinki wächst derzeit schneller als in den benachbarten Hauptstädten. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Übernachtungen in Kopenhagen nur um zwei Prozent, in Oslo um drei Prozent. Im Allgemeinen liegt Helsinki im Vergleich zu anderen nordischen Städten noch weit zurück, und wir können viel von ihnen lernen.“

Nichts desto trotz ist auch Helsinki ein beliebtes Reiseziel, was vor allem an der Nähe zur Natur in Kombination mit der urbanen Kultur und dem Veranstaltungsangebot liege. Touristen seien zunehmend daran interessiert, ein echtes Gefühl für die Destination zu bekommen, da die beliebtesten Städte Europas unter übermäßigem Tourismus leiden. Kleinere Städte wie Helsinki seien also gut positioniert, um auf die wachsende Nachfrage nach Erlebnistourismus zu reagieren, so Pöyry.

Vor allem Stockholm sei in vielen Aspekten weit vorne, wie Magnus Hessbo sagt: „Stockholm ist die Nr. 1 für den nordischen Hauptsitz, laut der Europäischen Kommission die wettbewerbsfähigste Region in Skandinavien und die viertgrößte in der EU. Stockholm ist eine der am schnellsten wachsenden Städte Europas mit der größten Anzahl von Unternehmen, Studenten und Bürgern. Und hier ist auch eine der erfolgreichsten Gründerszenen der Welt.“

Norwegens Hauptstadt Oslo ist mit einem allgemeinen Wachstum von 29,9 Prozent und einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 5,6 Prozent auf Platz zwei im Vergleich zu seinen Nachbarn. Diese Zahlen sind keine Überraschung: Reiseführer Lonely Planet hat Oslo – als einzige skandinavische Stadt – als eine der zehn besten Städte der Welt für 2018 ausgewählt. 2019 wird Oslo den Titel der grünen europäischen Hauptstadt tragen. Christiane Viertel von Visit Oslo zum zunehmenden Erfolg: „Oslo steht für sich selbst – als Kapital für Entwicklung und Wachstum. Es ist eine lebendige Stadt, die ihre Besucher mit ihrem grünen Lebensstil, ihrer Vielfalt an Kultur, Natur und Menschen überrascht.“ Auch allgemein sah Norwegen 2017 einen Aufschwung: Die Zahl der internationalen Touristenankünfte in norwegischen Hotels stieg um zwei Prozent auf 9,9 Millionen gegenüber 2016.

Abbildung 4 zeigt bei dem Großteil der Herkunftsländer ein Wachstum der Übernachtungen im Vergleich zum selben Zeitraum im vorherigen Jahr (Januar bis September 2017). Deutlich wird, dass die meisten Gäste aus Deutschland kommen.

Abbildung 4: Übernachtungen in Stockholm nach Herkunftsland, Januar – September 2018 im Vergleich zu Januar – September 2017

Quelle: Swedish Agency for Economic and Regional Growth/Statistics Sweden

Abbildung 5: Übernachtungen aller Unterkunftsformen nach Herkunftsland im Zeitraum Januar 2008 bis September 2018 

Quelle: Swedish Agency for Economic and Regional Growth/Statistics Sweden

Zusammenfassend kann man in allen vier nordischen Hauptstädten einen deutlichen Aufschwung im Tourismusmarkt feststellen, mit Stockholm an erster Stelle. Doch auch Kopenhagen, Oslo und Helsinki haben rund ums Jahr viel zu bieten. Die „Faszination Norden“ ist ein Trend, der von Dauer sein wird.

Jenni Pöyry: „In Helsinki glauben wir, dass unsere Stadt im Jahr 2019 wieder ein erfolgreiches Jahr haben wird. Für uns ist die Qualität der Besucher wichtiger, als die Besucherzahl. Wir möchten, dass Helsinki diejenigen anzieht, die sich wirklich für die Stadt interessieren, länger bleiben wollen und später zurückkehren.“