Allemannsretten—das Jedermannsrecht

Wer in ein skandinavisches Land reisen möchte, stößt früher oder später auf das „Allemansretten“, oder auch Jedermannsrecht. Was es damit auf sich hat—und alles, was man darüber wissen solltet—erfahrt Ihr hier.
16. Dezember 2018
Wer in ein skandinavisches Land reisen möchte, stößt früher oder später auf das „Allemansretten“, oder auch Jedermannsrecht. Was es damit auf sich hat—und alles, was man darüber wissen solltet—erfahrt Ihr hier.
16. Dezember 2018

Allemannsretten—das Jedermannsrecht

Wer in ein skandinavisches Land reisen möchte, stößt früher oder später auf das „Allemansretten“, oder auch Jedermannsrecht. Was es damit auf sich hat—und alles, was man darüber wissen solltet—erfahrt Ihr hier.
Foto von Viola Schenk
16. Dezember 2018

Das Jedermannsrecht ist ein sogenanntes „Gewohnheitsrecht“. Es besagt, dass ein Jeder das Recht hat, die Natur zu genießen. Ob mit dem Fahrrad, Skiern, dem Pferd—oder nur mit sich selbst. 

be aware of the trolls

Pass nur auf, dass Dich die Trolle nicht erwischen.

Foto von Jonas Klinke

Dieses Recht hat jahrhundertelange Tradition und stammt noch aus Zeiten, bevor sich Vorstellungen von Eigentum und Privatbesitz etablierten. Aus Zeiten, als Menschen noch frei durch Land und Natur wanderten und sich diese zunutze machten. Und sich von dem nahmen, was Flora und Fauna zu bieten hatten, sich niederließen—oder weiterzogen.

Aus Gewohnheit wurde Recht,  auch in Ländern wie Schottland, Neuseeland, oder der Schweiz.

In seiner reinsten Form jedoch in Norwegen, Schweden und Finnland. Dort sind die „Allemannsretten“ fester Bestandteil von Identität und kulturellem Erbe. 

Guten Morgen, Welt

Foto von Anna Pauly

Sich treiben lassen, wo es einen hin verschlägt, die Natur genießen, sein Zelt aufstellen, eine Nacht dort campieren, oder sogar unter freiem Himmel schlafen — das spricht einem das Jedermannsrecht zu.

Eine Nacht darf man auf fremdem Grund sein Lager aufschlagen—in Absprache mit dem Grundbesitzer auch länger. 

into the woods

Foto von Shera Garden

Ob an einem Fjord, auf einer Wiese … oder eben mitten im Wald. 
Das oberste Gebot ist: 

NICHT STÖREN, NICHT ZERSTÖREN

So sollte ein Mindestabstand zu bewohnten Häusern eingehalten werden. In Norwegen werden beispielsweise 150 Meter empfohlen, um die Anwohner nicht zu stören.

Vor allem aber gilt: Nichts zerstören, nichts beschädigen; keinen Müll zurücklassen. Kurzum—der Natur achtsam und respektvoll begegnen und sie so hinterlassen, wie man sie vorgefunden hat.

Abgesehen davon sind Rechte und Pflichten der Allemannsretten je nach Land unterschiedlich.

Noch mehr Infos findet ihr hier:

Schweden allemannsrätten
Visitsweden.com

Norwegen allemannsretten
Visitnorway.de

Finnlandjokamiehenoikeus
Visitfinland.de

Papa - wann ist das Essen fertig?

Foto von Ulrike Brunck

Meist umfasst es jedoch die freie Fortbewegung, das Lagern und Übernachten, Feuer machen, Pflanzen, Pilze und Beeren sammeln—und das Baden.

Denn nicht nur der Zugang zu Wiese, Wald und Bergen ist durch das Jedermannsrecht gestattet, sondern auch der zu frei zugänglichen Gewässern.

Ob mit Kajak, Kanu, Ruder- oder Segelboot—das Befahren von Seen, Flüssen und dem Meer ist erlaubt. Baden darf man grundsätzlich immer.

freezy

Foto von Linnéa Rinäs

Hiking in Jämtlandstriangeln, Norwegen

„This is an outdoor shower, haha. It was so incredibly cold in the water, despite warm weather.“ 

—Linnéa Rinäs

Auch Feuermachen ist in Norwegen und Schweden, sofern nicht anders ausgeschrieben, grundsätzlich erlaubt. Vorausgesetzt natürlich, es werden keine Spuren hinterlassen. In Finnland hingegen braucht man eine Genehmigung des Landbesitzers. 

Fred Feuerstein

Foto von Ulrike Brunck

Man sollte aber beachten, dass bei Waldbrandgefahr offenes Feuer in Waldnähe verboten ist. Dazu kommt ein allgemeines Feuerverbot in Norwegen vom 15. April bis zum 15. September.

Für warmes Essen ist dennoch gesorgt—Campingkocher dürfen immer verwendet werden. 

Und wer sich lieber von der Natur direkt ernährt, findet sein Glück ebenfalls im Jedermannsrecht: Das Pflücken und Sammeln von Wildbeeren und Pilzen ist überall gestattet. Solange nicht geschützt, versteht sich. Also aufgepasst beim Pflücken der beliebten Moltebeeren: die sind oft den Lokalbauern vorbehalten. Von der Hand in den Mund ist aber kein Problem. 

(Einnahmen aus dem Verkauf gepflückter Beeren oder Pilze sind sogar steuerfrei.)

Foto von Anna Pauly

Wem allerdings Feuer machen und Beeren pflücken zu abenteuerlich – oder einfach nicht schmackhaft genug – klingen, kann Skandinaviens atemberaubende Natur auch bei einem herkömmlichen Picknick genießen. 

Rast in Hjärnap, Schweden

„Ein Brot mit Frischkäse und Schwedengurken drauf ersetzt jede andere Mahlzeit, die man dort oben zu sich nehmen könnte. Und es schmeckt natürlich besonders gut, wenn man auf einem Campingplatz, oder irgendwo am Wasser sitzt, eine Rast einlegt und mit Blick auf die Fjorde seine Mittagszeit zu sich nehmen kann.“

—Sven Sebastian Sajak

Foto von Sven Sebastian Sajak

Foto von Shera Garden

„My brother has backpacked all over the world for the past decade. He said from all the countries he’s been to – Norway by far has the most accessible hiking. We did 11 of the 18 scenic routes in Norway in our 14 day trip. We both felt it was a nice pace. The little VW Polo started out with 1024km and was returned with 6000.“

—Shera Garden

glowing in the dark

Foto von Delphine Garcia

Zelten in Senja, Norwegen

„We skied and camped and sat down to take in all the beauty that is. One of the most beautiful camping spots on the North part of Senja, two hours drive from where we live. Facing a mountain named Segla after the word “sail”, meaningful for a sailor! It has a 360-degree view of the surrounding fjords, black cliffs, snowy pics, and sometimes sea-eagles thermaling above the tops. Becoming a brand new bucket-list item, it’s nice to enjoy it with the “allemansratten”, a traditional right from ancient times that encourages the love of outdoor life. Even better with “fjellvettreglene”, the education to preserve and protect that amazing nature.“

—Delphine Garcia

Foto von Delphine Garcia

Die Natur respektvoll behandeln—und genießen. 

Das ist es, was uns das Jedermannsrecht ermöglicht. Genau wie das Recht, jeden Tag an einem anderen Ort zu erwachen.

Fotos von Viola Schenk

Und das—wie die meisten anderen schönen Dinge im Leben—ganz umsonst.