Die Sonne verabschiedet sich - auf schönste Art und Weise

Winter in Norwegen—zwischen Licht und Dunkelheit

Norwegen – wo der Winter lang und die Tage umso kürzer sind. Doch beeinflussen die dunklen Monate auch Laune und Alltag? Wir haben Menschen gefragt, die in Oslo leben – ein Stimmungsbild.
17. Januar 2019

Foto oben: Mira Brunck, aufgenommen in Oslo, am 09. Januar 2019

Norwegen ist ein Land, in dem die Sommertage lang und die Wintertage dafür umso kürzer sind. Wo die Sonne im Winter spät aufgeht und sich noch früher verabschiedet und wo der Winter Monate lang anhält und Schnee und Dunkelheit das Land bedecken. Doch gilt das auch für auch die Stimmung? Ich habe mit Menschen gesprochen, die dauerhaft in Oslo leben oder gerade erst angekommen sind. Und wollte von Ihnen wissen, was der Winter, die Dunkelheit und die kurzen Tage, mit ihnen machen.

SONNENSTUNDEN

In Tromso, 300km nördlich des Polarkreises, geht die Sonne von Ende November bis Mitte Januar gar nicht auf.
Im südlicher gelegenen Oslo ist es nicht ganz so extrem. Dennoch sind die Tage kurz.
Im Dezember – während der kürzesten – geht die Sonne bereits um 15 Uhr unter.
Die jeweiligen Sonnenauf- und untergangs-Zeiten kann man hier nachschauen.

Ein Stimmungsbild

Wie kommst du mit der Dunkelheit zurecht?

Es ist gewöhnungsbedürftig, wenn es mehr dunkel als hell ist. Und wenn man schon um 16:00 Uhr das Gefühl hat, man könnte ins Bett gehen. Das führt dazu, dass die Stimmung am Tag nicht auf dem Höhepunkt ist, es gibt ein bisschen so ein „Winterdown“.
(Heiko, 24, aus Deutschland – seit einem halben Jahr in Oslo)

Ich habe gelernt, Spaß zu haben und mein Leben zu genießen, obwohl es kalt und dunkel ist. Es hat mich anpassungsfähiger gemacht.
(Abdalla, 20, aus Ägypten – seit einem Jahr in Oslo)*

 Letztes Jahr fand ich es schon ziemlich dunkel. Dieses Jahr ist es schon normaler – ich habe eher das Gefühl, dass es schon wieder sehr viel heller wird!
(Friederike, 23, aus Deutschland – seit einem Jahr in Oslo)

Bisher geht es, aber ich muss mich erst noch daran gewöhnen, dass der Tag um 16:00 Uhr gefühlt schon gelaufen ist. Dann werde ich auch langsam müde.
(Doro, 26, aus Deutschland – seit einer Woche in Oslo)

Inwiefern haben die kurzen Tage Einfluss auf dich?

Im Winter fühle ich mich müder, weniger aktiv.
(Amund, 25, aus Norwegen – lebt schon immer in Oslo)*

Man verliert ein bisschen das Zeitgefühl. Das deutsche Zeitgefühl spielt komplett verrückt und man täuscht sich um ein bis zwei Stunden.
(Jonas, 23, aus Deutschland – verbrachte ein Semester in Oslo)

Die Dunkelheit beeinflusst mein Leben nicht allzu sehr. Ich folge meinen Routinen; gehe früh ins Bett, gehe aus. Ich erlebe das jetzt seit Jahren, ich weiß, der Winter kommt jedes Jahr. Also bin ich darauf vorbereitet.
(Henriette, 3o, aus Norwegen – lebt seit 15 Jahren in Oslo)*

Hast du deinen Alltag an den Tag-Nacht-Rhythmus angepasst?

Man geht teilweise früher ins Bett. Weil es, wenn es den halben Tag dunkel ist, sowieso egal ist, wann man ins Bett geht. Dadurch kann man wiederum früher aufstehen und mehr von Tag und Sonne haben.
(Heiko, 24, aus Deutschland – seit einem halben Jahr in Oslo)

Abends ist es dunkel, dann hockt man sich in den Aufenthaltsraum, macht sich einen Tee, liest ein Buch, hört Podcast, schaut Netflix.
(Jonas, 23, aus Deutschland – verbrachte ein Semester in Oslo)

Im Winter gehe ich eine Stunde früher ins Bett. Da habe ich nach der Arbeit einfach nicht mehr die Energie, wie ich sie im Sommer habe.
(Berit, 45, aus Norwegen – lebt in der Nähe von Oslo)*

Was macht der Winter mit deiner Stimmung?

Meine Stimmung ist weiterhin gut, trotz Dunkelheit. Ich muss es so akzeptieren wie es ist, ich kann das Wetter nicht ändern.
(Christian, 31, aus Deutschland – seit einer Woche in Oslo)

Letztes Jahr war ich ein bisschen deprimiert, da wusste ich nicht, was ich mit meinem Tag anfangen sollte und plötzlich war es auch schon dunkel. Und ich war die ganze Zeit sehr, sehr müde. Dieses Jahr geht es eigentlich.
(Friederike, 23, aus Deutschland – seit einem Jahr in Oslo)

Wir freuen uns auf den Winter, denn dann können wir Ski fahren. Wenn wir einen schönen Winter haben (also kalt und trocken, mit viel Schnee), genießen wir das sehr.
(Kristian, 47, aus Norwegen – lebt in der Nähe von Oslo)*

Und wie ist die Stimmung allgemein?

Je dunkler es ist, desto weniger Menschen lächeln. Im Sommer lächelt sich jeder an, im Winter nicht. Die Menschen hetzen, reden nicht, jeder will nur heim.
(Abdalla, 20, aus Ägypten – seit einem Jahr in Oslo)*

Ich würde sagen, die Norweger können damit ganz gut umgehen. Ich glaube aber auch, dass in den Lebensmitteln Vitamin D ist.
(Friederike, 23, aus Deutschland – seit einem Jahr in Oslo)

Es ist wie eine andauernde, kleine Stimmungsdepression. Das allgemeine Glückslevel geht runter, wenn es ständig so dunkel ist.
(Amund, 25, aus Norwegen – schon immer in Oslo)*

Das Sonnenlicht bringt viel Freude. Mit Sonne hast du viel Vitamin D, viel Energie. Pflanzen, Menschen; alle brauchen Sonnenlicht. Hier gibt es kaum Energie.
(Rahid, 24, aus Indien – seit einer Woche in Oslo)*

Was hilft, um dem Wintertief entgegenzuwirken?

KAFFEE. Ich glaube, so funktioniert dieses Land.
(Amund, 25, aus Norwegen – lebt schon immer in Oslo)*

Ich habe mir extra Vitamin D Tabletten mitgenommen.
(Doro, 26, aus Deutschland – seit einer Woche in Oslo)

Es gibt viel Musik, Konzerte, Comedy-Abende, Spiele-Abende, Kneipen mit Live-Bands, Poetry-Slams, Theater, Kino – es gibt so viele Möglichkeiten! Damit kann man sich abends beschäftigen. Dann sitzt man nicht alleine in der Wohnung. Aber man sollte sich darauf einlassen, auf die Kälte. Dafür offen sein.
 (Jonas, 23, aus Deutschland – verbrachte ein Semester in Oslo)

Ich muss lernen, wie ich meinen Schlaf-Rhythmus anpasse. Ich muss lernen, wie ich mit dem Licht arbeite und, wie ich mit künstlichem Licht arbeite. Aber vor Allem brauchst du das! (Kramt eine Vitamin D Tabletten-Packung aus der Tasche. Und noch dann noch eine zweite.)
(Rahid, 24, aus Indien – seit einer Woche in Oslo)*

Würdest du manchmal lieber woanders überwintern?

Manchmal würde ich gerne in Spanien oder so leben. Manche Leute machen das, von November bis März. Vielleicht, wenn wir in Rente sind (lacht).
(Berit, 45, aus Norwegen – lebt in der Nähe von Oslo)*

Wir versuchen, damit klarzukommen. Ich weiß, wie ich mit dem Winter umgehe. Trotzdem würde ich lieber südlicher leben. Deshalb mache ich Austausche und so weiter.
(Amund, 25, aus Norwegen – schon immer in Oslo)*

Nein, nicht wirklich. Am liebsten würde ich den ganzen Winter in unserer Ferienhütte verbringen und Ski fahren.
(Kristian, 47, aus Norwegen – lebt in der Nähe von Oslo)*

Was sind für dich schöne Seiten des Winters?

Es gibt so schöne Sonnenuntergänge, man kann Langlaufen gehen, Sport machen, man hat Schnee…
(Friederike, 23, aus Deutschland – seit einem Jahr in Oslo)

Ich bin großer Wintersportfan. Und Norwegen ist quasi das Mutterland des Wintersports. Und das „Winter Wonderland“, es sieht einfach unfassbar toll aus. Wenn die Fjorde teilweise zu geeist sind und die Inseln verschneit, das hat schon seinen Charme. Die Bilder, die man in irgendwelchen Touri-Prospekten sieht, kann man selbst erleben.
(Jonas, 23, aus Deutschland – verbrachte ein Semester in Oslo)

Ski! Und gemütliche Abende Zuhause. Ein Feuer im Ofen und eine Tasse Tee in der Hand. Oder heiße Schokolade.
(Kristian, 47, aus Norwegen – lebt in der Nähe von Oslo)*

Ich genieße sehr die Sonnenuntergänge hier. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so schöne gesehen. Der Himmel in Rot, Pink, Lila – es ist einfach wunderschön. Dann kann ich es dem Wetter auch verzeihen, dass es früher dunkel wird.
(Doro, 26, aus Deutschland – seit einer Woche in Oslo)

(*frei aus dem Englischen übersetzt)