Der Schrecken aus dem Norden?—15 Thesen über die Wikinger

Wikinger faszinieren weltweit das Publikum. Man glaubt, viel über sie zu wissen, tatsächlich kursieren aber viele Mythen und Halbwahrheiten über die nordischen Seefahrer. Ein Faktencheck.
12. Dezember 2018
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Wikinger faszinieren weltweit das Publikum. Man glaubt, viel über sie zu wissen, tatsächlich kursieren aber viele Mythen und Halbwahrheiten über die nordischen Seefahrer. Ein Faktencheck.
12. Dezember 2018

Der Schrecken aus dem Norden?—15 Thesen über die Wikinger

Wikinger faszinieren weltweit das Publikum. Man glaubt, viel über sie zu wissen, tatsächlich kursieren aber viele Mythen und Halbwahrheiten über die nordischen Seefahrer. Ein Faktencheck.
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Bild von History Channel/Vikings Promo

12. Dezember 2018

1. These: Skandinavier in der Wikingerzeit waren automatisch Wikinger

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Das kann man so nicht sagen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung waren nur wenige Angehörige der skandinavischen Völker „Wikinger“, also Plünderer und Piraten. Der Großteil der Bevölkerung bestand aus freien Bauern. Die Stämme waren in mehrere Gesellschaftsgruppen unterteilt, wie Sklaven und Knechte, die Freien und Priester sowie Fürsten und Häuptlinge.

Bild von History Channel/Vikings Promo

2. These: Die Wikinger waren ein Volk

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Das Volk der „Wikinger“ existierte nie. Die Wikinger die heutzutage bekannt sind kamen hauptsächlich aus Dänemark, Norwegen sowie Schweden. Einzelne Stämme waren aber häufig lose miteinander verbunden. Im Jahr 874 wurde Island von den Wikingern rund um Ingólfur Arnason bevölkert. Immer mehr Wikinger siedelten aus Skandinavien über und wurden in Island sässig. Dort gründeten sie eine Gemeinschaft aus Bauern, Handwerkern und Künstlern.

Bild von History Channel/Vikings Promo

3. These: Frauen hatten bei den Wikingern mehr Rechte als anderswo in Europa

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Wenn die Männer auf See waren, übernahmen die Frauen häufig deren Position an Land. Sie gründeten und verwalteten die Höfe, trieben Handel und verteidigten ihr Hab und Gut. Neuen Forschungen zufolge waren die Wikingerinnen sogar an einigen Schlachten beteiligt. Zudem waren Frauen erbberechtigt und konnten die Scheidung einreichen.

Bild von History Channel/Vikings Promo

4. These: Wikingerhelme hatten Hörner und waren reich verziert

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Die Wikinger hatten viele verschiedene Helmtypen, gehörnt waren diese allerdings nie. Skandinavischen Ursprung haben wohl die häufig verwendeten Brillenhelme. Diese werden so bezeichnet, da sie einen Augenschutz besaßen, der einer Brille ähnelt. Generell bestanden die Helme in der Wikingerzeit aus gehämmerten Blechen, die mit Spangen zur Helmkalotte vernietet wurden. Oft verfügten sie auch über einen Hals- oder Nackenschutz aus Kettengeflecht.

Bild von ZDF (Wickie und die starken Männer)

5. These: Wikinger führten Schwerter und Doppeläxte im Kampf

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Das stimmt nur bedingt. Die Axt war durchaus, ebenso wie der Speer, eine grundlegende Waffe, sowie auch ein Werkzeug, das in keinem Haus und in keiner Werkstätte fehlte. Im Kampf wurden verschiedene Varianten verwendet, zum Beispiel die Wurfaxt, die einhändige Kampfaxt oder die zweihändig geführte Dänenaxt. Doppelseitige Äxte wurden von den Wikingern aber nicht verwendet. Auch Schwerter waren eine seltene Waffe, da sie sehr wertvoll waren.

Bild von Constantin Film (Wickie auf großer Fahrt)

6. These: Im Kampf zu sterben war eine Ehre

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Viele Wikinger zogen in der Tat in den Kampf ohne Angst vor dem Tod. Denn es galt als Ehre, im Kampf zu fallen oder einen „mutigen” Tod zu sterben. Die Gefallenen gelangten der Sagen nach nach Valhalla, um dort mit Göttervater Odin zu feiern und zu trainieren. 

Bild von Emil Doepler (Walhalla)

7. These: Die Wikinger waren schon lange vor Kolumbus in Amerika

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Zählt man Grönland nicht zu Nordamerika, wurde der Kontinent das erste mal im Jahr 986 von Bjarni Herjúlfsson gesichtet. Er kam auf einer Fahrt von Island nach Grönland vom Kurs ab und berichtete später von „bewaldeten Hügeln im Westen“, die er aber nicht weiter erkundete.  Der erste Europärer, der das amerikanische Festland betrat, war nach heutigen Erkenntnissen Leif Eriksson. Man geht hierbei davon aus, dass dies um das Jahr 1000 herum gewesen sein soll, wobei die Einzelheiten  unterschiedlich überliefert sind. Christoph Kolumbus selbst entdeckte die „Neue Welt” erst 1492.

Bild von Constantin Film (Wickie auf großer Fahrt)

8. These: Die Wikinger waren keine reinen Plünderer, sondern Händler

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Statt nur zu plündern, entwickelten die Wikinger unterschiedliche Strategien zur Mehrung ihres Reichtums. Vor allem der Handel mit Luxuswaren wie Bernstein, Walross-Elfenbein oder Pelzen oder auch Sklaven stand hoch im Kurs. Die Handelswege der Nordmänner erstreckten sich im Norden bis Grönland, im Osten bis zum Kaspischen Meer und im Süden bis nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, sowie Sevilla in Spanien. 

Bild von Hans Splinter (Flickr)

9. These: Met war für die Wikinger ein Geschenk der Götter

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Die spontane Verwandlung von Honigwasser in ein viel geschmackvolleres Getränk mit berauschender Wirkung machte den Met für die Wikinger zum Trank und Geschenk der Asen, wie die Götter genannt wurden. Der Honigwein wurde nicht nur zu Feiern in großen Mengen getrunken, sondern wurde auch bei kultischen Handlungen verwendet. Durch diesen besonderen spirituellen Status wurde der ausschweifende Genuss von Met auch als Opfergabe für die Asen betrachtet. 

Bild von Pixabay

10. These: Die Wikinger berauschten sich selbst vor Schlachten

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Einige Wikinger wurden als Berserker bekannt, also als jene Krieger, die wie im Rausch im Kampf in unbändige Raserei gerieten und deren Kräfte scheinbar nie schwanden. Diese Berserker wurden erstmalig in der achten Strophe des Haraldskvæði, einer Lobpreisung auf den norwegischen König Harald Schönhaar, im 9. Jahrhunderts erwähnt. In einer Theorie wird davon ausgegangen, dass die Wikinger, nachdem Sie zum Beispiel giftige Fliegenpilze aßen, in eine Art Trance verfielen und so zu den beschriebenen Berserkern wurden. In einer 1956 veröffentlichen Publikation im „American Journal of Psychiatry“ erklären Forscher, dass die Wikinger die Pilze in einem Ritual direkt vor dem Kampf konsumierten und die Wirkung sich aber erst später in der Schlacht zeigte.

Bild von Pixabay

11. These: Die Wikinger waren für die Gründung Dublins und anderer Siedlungen verantwortlich

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Das ist korrekt. Die Wikinger waren ein sehr reisefreudiges Volk und besiedelten große Teile der Welt. Hierbei gründeten sie diverse Siedlungen.  So errichteten die Wikinger beispielsweise im Jahre 841 die Siedlung Dyflin. Der Name war angelehnt an die irische Bezeichnung An Duibhlinn, was so viel wie „Dunkler Tümpel” bedeutete. Aus dieser ging das heutige Dublin hervor. Ärhus, Viborg, Älborg und Roskilde in Dänemark sind ebenfalls Gründungen der Wikingerzeit. In Norwegen stellten Bergen, Trondheim (oder Nidaros, wie es damals hieß) und Oslo Gründungen der Endphase dieser Zeit dar.

Bild von Julia Velkova (Flickr)

12. These: Die Wikinger waren alle groß und stark

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Das ist nicht wahr. Ausgegrabene  Skelette belegen, dass die Wikinger aus heutiger sicht nicht übermäßig groß waren. Die Frauenskelette zeigen eine durchschnittliche Körpergröße von ungefähr 161 cm wohingegen die Männer eine ungefähre Durchschnittsgröße von 174 cm aufwiesen. Die Durchschnitte schwanken jedoch von Ort zu Ort. Zwar gab es daneben auch bis zu 185 cm große Menschen, der Durchschnitt war jedoch deutlich niedriger.  Dass die Wikinger stark waren, ist auch von den Skeletten abzuleiten. Diese weise starke Spuren körperlicher Arbeit auf.

Bild von ZDF (Wickie und die starken Männer)

13. These: Die Wikinger galten als sehr reinlich

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Im Kontext der Zeit ist das mehr oder weniger richtig. Archäologische Funde von Darstellungen und Pflegeutensilien (wie beispielsweise Kämme) in Gräbern sprechen dafür, dass die Wikinger sehr gepflegt waren. Ibrahim ibn Jaqub, ein Gesandter des Kalifen von Cordobar, berichtete von seiner Reise nach Haithabu um 965. Demnach benutzenMänner und Frauen Augenschminke. Ein anderer Autor aus dem heutigen England beschrieb, dass die Nordmänner am Samstag badeten. Zudem sei ihr Haar gepflegt und die Wikinger gut gekleidet, um Erfolg bei den englischen Damen zu haben. Der Nacken sei geschoren und das Stirnhaar lang. Dass sie einmal pro Woche badeten, war im europäischen Vergleich ungewöhnlich.

Bild von History Channel/Vikings Promo

14. These: Das Wikingerzeitalter begann im Jahr 793

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Die Wikingerzeit wird heutzutage von verschiedenen Forschern unterschiedlich bestimmt. Als frühester Beleg wird vereinzelt der Kriegszug  des Dänen Chlochilaicus zwischen 516 und 522 n. Chr. genannt, bei dem dieser in Gallien eingefallen sein soll. Der am häufigsten genannte Zeitpunkt ist jedoch der Wikingerüberfall am 8. Juni 793 auf das Kloster von Lindisfarne auf einer Insel vor der Nordost-Küste Englands in der Grafschaft Northumberland. Das Ende der Epoche wird auf das Jahr 1066 datiert. In diesen Zeitraum fällt die Zerstörung der berühmten Wikingersiedlung Haithabu und die Schlacht von Stamford Bridge. Bei letzterer wurde der norwegische König Harald III. Hardrådes vernichtetnd von den Engländern geschlagen.

Bild von History Channel/Vikings Promo

15. Die Maus wurde von den Wikingern in Europa verbreitet

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DNA-Untersuchungen ergaben, dass Mäuse durch norwegische Wikinger eingeschleppt wurden. Auf den Schiffen, mit denen die Wikinger die Welt bereisten, versteckten sich die Mäuse und gelangten so unter anderem nach Europa.  Ausnahmen scheinen jedoch, nach neusten Erkenntnissen, Grönland und Neufundland zu sein. Zwar ist davon auszugehen, dass auch in Grönland norwegische Mäuse eingeschleppt wurden, diese scheinen dort jedoch ausgestorben zu sein. Dort lebt heute allerdings eine später eingeschleppte dänische Mauspopulation. In Neufundland gibt es keine Hinweise auf die Anwesenheit einer norwegischen Maus.

Bild von Pixabay