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Finnlands Chef-Rocker Alexi Laiho im Portrait

In seiner Heimat, Finnland, wird Alexi Laiho als Rockstar gefeiert. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Metal in Finnland das populärste Genre ist. Kein Wunder eigentlich—rein rechnerisch kommt das Land im weltweiten Vergleich auf die meisten Metal-Bands pro Einwohner.
von Julian Sajak
16. April 2019

Wer ist Alexi Laiho?

Sein eigentlicher Name ist „Markku Uula Aleksi Laiho“ und ist am 8. April 1979 in Espoo, Finnland geboren worden.Schon mit drei Jahren begeistert er sich für den elektrifizierten Gitarren-Sound.  Kein Wunder! Sein Vater spielte ihm schon im Baby-Alter Songs von den Dire Straits und den Beatles vor. Mit sieben Jahren beginnt er damit, Violine zu spielen. Mit Elf-Jahren hatte er kein Interesse mehr an dem Klassik-Instrument und schwingt zum Klavier herüber. Im selben Jahr schenkte sein Vater ihm eine Gitarre die Alexis Interesse für das Klavier in Luft auflöst.Inspiriert durch den metallischen Musikgeschmack seiner Schwester, fängt Alexi an, täglich mehrere Stunden zu üben und die komplexen Gitarren-Riffs von Metallica, Yngwie Malmsteen, Ozzy Osbourne und W.A.S.P zu lernen. Besonders die letzte Band verändert Alexis Denkweise und seine Weltsicht. Als Omage an W.A.S.P gibt er sich selbst den Namen „Wildchild“. Auch heute zählen die Musiker von W.A.S.P, Yngwie Malmsteen sowie die Gitarristen Zakk Wylde und Rhandy Roads von Ozzy Osbourne zu seinen Vorbildern.Neben der Gitarre interessiert sich Alexi auch noch für aufgetunte amerikanische Sprit-Fresser, auch Muscle Cars genannt. Heute besitzt er mehrere und hat sich auch schon längst sein Traumfahrzeug, einen „Pontiac Firebird“ zugelegt.Alexi Laiho war seit Beginn von Children Of Bodom Alkoholiker und musste diesbezüglich mehrfach ins Krankenhaus eingeliefert werden. Juni 2014 gab Alexi Laiho auf Facebook bekannt, dass er auf Touren nichts mehr trinkt und er es viel besser findet, auf der Bühne 110 Prozent geben zu können, anstatt betrunken fast von der Bühne zu fallen.

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Seine Lebensweise überträgt sich auch auf seine energiegeladene Bühnenshow.

Foto von Jan Heesch

Nicht nur Solo unterwegs

Angetrieben von unzähmbaren Ehrgeiz und dem festen Ziel, Rockstar zu werden, gründet Alexi mit 14 Jahren dann zusammen mit Drummer Jaska und Samuli die Band Inearthed. zwei Jahre lang spielten sie Cover von Metallica, Guns´n´Roses und co., doch Alexi wollte mehr. In unfassbar schneller und gekonnter Manier veröffentlicht die Band zwischen 2014 und 2016 insgesamt drei EPs. 1997 ist es dann soweit. Inearthed wird aufgrund von einigen Problemen mit einem Plattenlabel wird die Band gezwungen, sich aus namensrechtlichen Gründen aufzulösen und mit einem neuen Namen zu starten. Eine Inspiration für diesen wird schnell gefunden. 1960 wurden im naheliegenden See „Bodominjärvi“ neben Alexis Heimatstadt drei Jugendliche auf brutalste Weise ermordet. Der Täter wurde nie gefunden. Diese brutale und geheimnisvolle Atmosphäre sagte Alexi und dem Rest der Band so zu, dass sie sich kurzerhand zu Children Of Bodom umbenennen. Ihr erstes Album Something Wild veröffentlichen sie im selben Jahr bei Spinefarm Records und landen auf Platz 20 der finnischen Charts.

Von Espoo nach Deutschland und durch ganz Europa

Der Erfolg ihrer ersten Platte zeigte sich direkt. Alexi und seine Melodic Death Metaller performen auf Deutschlands größtem Metal-Festival „Wacken“ und spielen gleich zwei Touren durch ganz Europa. Das kurze Schlafen im Tourbus, Raststätte-Essen sowie Shows jeden Tag haben schon viele Musiker niedergestreckt. Jedoch nicht den jungen Alexi, der sich mit seinen 19 Jahren schnell an den neuen Lebensstil „on the road“ gewöhnt.Auch Alexis Begeisterung für neue Kulturen wächst zu dieser Zeit ungemein und er kann es kaum erwarten, in Japan zusammen mit Children Of Bodom das erste Live-Album mit dem Namen „Tokyo Warhearts“ aufzunehmen. Doch davor galt es erst einmal, einen Follow-Up zu Something Wild einzuspielen. „Hatebreeder“ heißt die zweite Platte der Band. Diese begeistert durch ihre Verspieltheit und den gewagten Kompositionsstil von Alexi Laiho. Dieser bringt zwar weiterhin seine Klassik und Rock-Einflüsse in die Musik ein, doch durch seine Zweit-Band Synergy beinhaltet Hatebreeder auch einige Einflüsse des Power-Metal. Auch das Keyboard steht in diesem Album mehr im Vordergrund.

Kein Halt, Follow The Reaper!

Ein Jahr nach Hatebreeder folgte dann auch schon „Follow The Reaper“und beinhaltet einige der technisch anspruchsvollsten Songs der COB Diskographie. Das spielerische Können der Band hat sich aufgrund der inzwischen über fünf Touren massiv gesteigert und auch Alexi übte weiterhin Gitarre mit einem unerbittlichen Ehrgeiz. Eine besondere Herausforderung für die Band war der Song “Kissing the Shadows”. Dieser ist innerhalb von einem Monat im Studio geschrieben worden und gilt bis heute als einer der schwierigsten Lieder auf der Gitarre. 

2002 finden Children Of Bodom dann laut Alexi ihren komplett eigenen Stil. Angetrieben, mit Bands wie Nevermore oder Dimmu Borgir mitzuhalten, stecken die Finnen ihr ganzes Können in das Follow-Up Album“Hate Crew Deathroll”. Ihre internationale Fanbase bekommt mit diesem Album auch eine Hymne sowie einen eigenen Namen. Aus den Fans wird die „Hate-Crew“. Bis heute wird dieses Album zu den Besten von Children Of Bodom gezählt. Langsam aber sicher werden Children Of Bodom zu einer der größten finnischen Bands überhaupt. 2003 erhielten sie dann auch den finnischen “Band Of The Year” Award was für die Band bis dato ein unerreichbares Ziel war. Alexi hätte nie gedacht, dass sein Melodic Death Metal jemals im Mainstream Anklang finden würden. Eine fast komplett ausverkaufte World-Tour bewieß ihm dann noch einmal das Gegenteil.

Britney Spears, “Are You Dead Yet?”

Nach Hatecrew Deathroll brauchten die fünf Finnen etwas Abwechslung und haben eine irre Idee. „Warum machen wir nicht einfach ein komplettes Cover-Album?“ Fragt Alexi in die Band-Runde. Die Idee findet totalen Anklang bei der Band und stellt für sie eine Möglichkeit dar, in der ganzen Ernsthaftigkeit der letzten Alben auch wieder etwas lockeren Spaß zu haben. Dieser Spaß zeigte sich an der Setlist. Wer hätte gedacht, dass Children Of Bodom ein Cover von Britney Spears machen? Oops!…I did it again ist nur eine der Überraschungen des Cover-Album „Skeletons In The Closet

2005 veröffentlichten COB ihr Stil-verändertes Album “Are You Dead Yet”. Dieses sorgte durch seinen simplen aber aggressiven Stil für einen Aufschrei unter ihren Fans. Einige mochten diesen neuen, einfachen Stil nicht, da sie melodischeres von der Band gewohnt waren. Auch befanden sich in diesem Album zum ersten Mal keinerlei Anspielungen auf Werke der Klassik. Genau dieser musikalische Umbruch sorgte dafür, dass “Are You Dead Yet” das bis dahin kommerziell erfolgreichste Album wurde.

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Foto von Jan Heesch

Einschub: Power Metal Band Sinergy

Bevor es weiter mit der Geschichte von Children Of Bodom geht, machen wir einen Abstecher zu einem  Alexis Band-Projekten eingehen, der Band „Sinergy“.

Alexis Ex-Frau Kimberly Goss gründete 1997 zusammen mit ihm und zwei anderen Musikern Synergy. Die Idee dieser Band war es, die bis dahin von Männern geprägte Metalszene aufzurütteln und mit der Attitüde „balls out female fronted“ zu Touren und Alben aufzunehmen.

Diese Attitüde konnte man besonders in ihrem Debüt-Album „Beware The Heavens“ heraushören. Kimberly war strikt gegen den Opern-ähnlichen Gesang der durch Bands wie Nightwish in der Heavy-Metal Szene bekannt war. Sie wollte zeigen, dass auch Frauen abrocken können und nicht nur glasklar singen. Beeinflusst wurde sie stark durch die deutsche Metal-Sängerin Doro Pesch.

Da die Band nur aus aktiv-tourenden Musikern bestand, wurde die Zeit zum Proben und Schreiben neuer Songs sehr knapp. Auch Konzerttermine zu finden an denen alle Mitglieder Zeit hatten, wurde zunehmend immer schwerer. Kein Wunder, bei Release des Albums 1999 ging es sowohl mit der Band des Bassisten, In Flames wie auch Children Of Bodom steil Bergauf.

Besonders tragisch war dies auch für die steigende Zahl an Fans. Das Album wurde von der Metal-Community nämlich sehr wohlwollend aufgenommen. 2000 kam es dann doch noch zu einer Europa Tour und einem zweiten Album mit dem Namen „To Hell And Back“. 

Fast Forward in das Jahr 2007 und die Band will das vierte Studio-Album mit dem Namen „The Sins Of The Past“ aufnehmen. Zu diesem Zeitpunkt waren Children Of Bodom schon weltweit bekannt und landeten in mehreren Ländern in den Charts. Durch ihren Erfolg war es Alexi und Roope nicht möglich, sich Zeit für das vierte Album zu nehmen wodurch es nie fertiggestellt wurde. Die Band löste sich dann im Jahre 2008 auf.

“Blooddrunk”, “Skeletons in the Closet” und “Relentless Reckless Forever”

In der Zeit 2007 bis 2010 wurde neben dem stilistisch gleichem Album “Blooddrunk” wieder durch die ganze Welt getourt. Einen kleinen Schock für Alexi gab während einer Tour auch. Er verletzte er sich zwei Mal am Handgelenk, wodurch ein paar der Konzerte kurzfristig abgesagt werden mussten. Auch der zunehmende Alkoholkonsum machte ihm zu schaffen. Durch 

Nach dem Touren ging es weiter mit “Relentless Reckless Forever” . Dieses Album wurde von vielen Fans der Band kritisch aufgenommen, da es nicht mehr dieselben Qualitäten der alten Alben erreichte. Dies lag nicht zuletzt daran, dass sie versuchten, ihren alten melodischen Stil, mit den neuen harten Riffs der Vorgänger-Alben „Are You Dead Yet?“ und „Blooddrunk“ zu kombinieren.

Nach Release folgten wie üblich für die Band wieder mehrere World-Touren. Eine Besonderheit für dieses Album war, dass einer der Tracks, “Was It Worth It?”, in dem Spiel “Guitar Hero, Warriors Of Rock” vertreten war und in diesem mit einem Plastik-Gitarren-Controller mitgespielt werden konnte.

 

“Halo Of Blood”, “I Worship Chaos” und das kommende “Hexed”

Laut einiger Fans und Album-Kritiker fanden COB mit „Halo Of Blood“ (2012) wieder zurück zu ihrem alten Stil und halten es für das beste Album seit „Follow the Reaper“. Die Band schaffte es mit diesem Album, einige Einflüsse des Death- und Black Metal zurück in die Musik zu bringen und diese mit der technischen Finesse der ersten COB Alben zu verbinden.

2015 Veröffentlichten sie dann das Album “I Worship Chaos”. Eine Besonderheit an diesem Album ist, dass es nur von vier der Fünf Mitglieder geschrieben wurde. In diesem Jahr verließ Roope Latvala nämlich aufgrund vermeintlicher Alkohol-Probleme und fehlender Motivation Children of Bodom. Das stellt Alexi und die Band vor eine neue Herausforderung die sie laut Album-Kritikern mit Bravur bestanden haben. 

März 2019 soll ihr Album “Hexed” erscheinen, welches wie auch I Worship Chaos in ihrem eigenen Bunker/Proberaum aufgenommen wird und wie es scheint viele melodische Elemente der älteren Alben beinhalten wird.  Sogar ein Re-Release ihres innerhalb der “Are You Dead Yet?”-Recording Sessions geschriebenen Songs “Knuckleduster” befindet sich auf der Songliste. Alexi selbst betitelt das Album als sanfteste und Hard-Rock ähnlichste Album von COB.

Du bist gespannt, wie das neue Album klingt? COB haben zum jetzigen Zeitpunkt schon ein Musikvideo für den Song “Under Grass And Clover” veröffentlicht.

The Local Band

…ist eine aus Finnland stammende Supergroup-Band, die im Jahre 2013 gegründet wurde. Supergroup bedeutet, dass die Band nur aus bekannten Persönlichkeiten besteht. Im Falle von The Local Band sind das Alexi Laiho, Jussi 69 von den “69 Eyes), Olli Herman von Lost Society und Archie Cruz, Bassist der Band “Santa Cruz”.

Zusammen kam die Band durch Alexi Laiho und Jussi 69. Die beiden hatten einfach Lust, ihre Lieblingssongs aus dem Hard-Rock zusammen zu performen. Die weitere Zukunft der Band ist unbekannt, da sie seit einem Mitglieder-Wechsel keine Konzerte gespielt haben oder etwas auf ihren Social-Media Kanälen gepostet haben

Equipment

Bekannt ist Alexi Laiho besonders für seine Signature-Gitarren. Diese haben eine V ähnliche Gitarrenform die ist benannt nach dem ehemaligen Gitarristen von Ozzy Osbourne „Randy Rhoads“.

Auch unterschieden sich seine Instrumente durch die sporadische Tonabnehmerbestückung von lediglich einem geboosteten passiven Humbucker von EMG in der Bridge-Position, einem Floyd Rose seinen Sawtooth Griffbrett-Einlagen und einem „gescallopten“ Griffbrett vom 21 bis zum 24 Bund von herkömmlichen Gitarren.

Beim „Scallopen“ wird ein Teil des Holzes im Zwischenraum von Bünden weggefräst, wodurch die Gitarren-Saite beim runterdrücken keinen Kontakt mehr mit dem Holz hat. Dies sorgt für ein besseres Spielgefühl, welches es ermöglicht, dass der Gitarrist schneller spielen kann.

Nach einem Wechsel von Jackson zu ESP Gitarren im Jahre 2003 umfasst die „Alexi-Kollektion“ eine Vielzahl verschiedener Gitarren. Neben verschiedenen Lackierungen und Budget-Modellen ist die Form und Tonabnehmerbestückung jedoch immer dieselbe geblieben.

Alexis Lieblingssaiten sind seine Signature Sets der Firma „DR Strings“

Er ist nicht nur Gitarren-Endorser. Auch mit der Gitarrenverstärker-Firma „ENGL“ arbeitet Alexi zusammen und spielte den Vorverstärker „ENGL PREAMP E530“ live und im Studio zusammen mit verschiedenen Endstufen und Boxen.

Inzwischen benutzt Alexi einen Marshall JVM und eine Marshall MR1960 A Gitarrenbox

Du willst Alexis Sound einfach in einen Warenkorb stecken und direkt zu Dir Nachhause bestellen? Kein Problem!

Alexi Laihos Equipment

Bekomme mit dieser Thomann-Wunschliste einen Überblick von Alexis Equipment
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Auf seiner ESP Alexi-Custom, die E-Gitarren-Hersteller ESP speziell für ihn gebaut hat, spielt er seit 2003. Seitdem hat die Gitarre einige Tourneen überstanden und gehört zu seinen liebsten Instrumenten.

Foto von Jan Heesch

100 Guitars From Hell

Am 14. August 2015 setzte Alexi Laiho etwas um, was noch niemand vor ihm geschafft hatte. Eine 15-minütige Komposition zusammen mit 99 anderen Gitarristen spielen.
Dieser Versuch wurde schon einmal 1995, jedoch mit weniger als 50 Gitarristen durchgeführt.

Für 2015 schrieb Alexi eine neue Komposition. Zusammen dem Drummer und Keyboarder seiner Band Children Of Bodom, dem Bassisten Jyri Helko von “For The Imperium” und besagten 99 Gitarristen  wurde dann das Spektakel am “Senate Square” in Helsinki Live für die ganze Welt gestreamt.

Das besondere an diesem Event war auch, dass jeder Gitarrist mitmachen konnte. Die Bedingungen für die Annahme waren relativ simpel. Die Gitarristen sollten lediglich einen Part der Komposition lernen und dann ein Video machen, wie sie das Stück spielen. Am Ende entschied sich Alexi Laiho dann aus 422 Einsendungen für seine 99 Favoriten. Viele Gitarristen kamen aus anderen Ländern wie Brazilien, Japan, Amerika und England.