Faszination Monarchie: Einblicke in die skandinavische Adelskultur

Monarchien sind altmodisch. Oder? Das stimmt nicht ganz, denn heutzutage haben Königsfamilien aller Welt große Fangemeinden und sind sogar in den sozialen Medien aktiv. Im Gespräch mit royalen Fans finden wir heraus, woher diese Faszination kommt.
21. Mai 2019
Foto 8_Norwegische Königsfamilie_Jørgen Gomnæs

Faszination Monarchie: Einblicke in die skandinavische Adelskultur

Monarchien sind altmodisch. Oder? Das stimmt nicht ganz, denn heutzutage haben Königsfamilien aller Welt große Fangemeinden und sind sogar in den sozialen Medien aktiv. Im Gespräch mit royalen Fans finden wir heraus, woher diese Faszination kommt.
21. Mai 2019

In Europa gibt es derzeit noch zwölf Monarchien. Auch wenn das erst einmal wenig klingt, so ist es dennoch eine beachtliche Zahl im Jahr 2018.Zugegeben, die meisten Königsfamilien haben hauptsächlich repräsentative Aufgaben. Trotzdem sind sie ein fester Bestandteil der nationalen Kultur. Doch welche Rolle spielen die Königsfamilien in den einzelnen Ländern tatsächlich, werden sie gehasst, geliebt oder gar verehrt? Eine Rundreise durch den adligen Norden.

Besonders die royalen Frauen haben viele Fans. Outfits, die sie tragen, sind innerhalb weniger Stunden ausverkauft.

Foto: Kungahuset.se / Linda Broström / Königshof Schweden

Es stellt sich heraus, dass das Konzept Monarchie gar nicht mal so altmodisch ist, wie es viele vielleicht behaupten. Im Gegenteil – die königlichen Familien haben nach wie vor sehr viele Fans. Das sieht man nicht nur bei offiziellen Anlässen, bei denen Untertanen aller Altersklassen die Fahnen ihrer Länder schwingen, sondern auch in den sozialen Medien. Dort haben die Monarchen nicht nur eigene Accounts, auf denen sie über aktuelle Ereignisse berichten, es gibt auch haufenweise Fan-Accounts. Dort kursieren Theorien, welches Geschlecht etwa das nächste Royal-Baby wohl haben wird. Die Fans tauschen sich über die schönsten Outfits der royalen Damen aus und diskutieren über jedes neue offizielle Presse-Foto. Eine digitale Traumarena, ein Tor in eine andere Welt, eine edle andere Sphäre, die fasziniert. Doch wieso?

Royals sind viel interessanter als Promis

„Wenn wir eine Monarchie in Deutschland hätten, wären wir hauptsächlich auf unsere fokussiert. Da wir keine haben, müssen wir uns für andere begeistern“, erzählt Zuzanna. Auf ihrem Instagram-Blog history_royals postet sie täglich Inhalte über die Königsfamilien dieser Welt. Sie sei schon immer ein großer Fan der europäischen Königsfamilien gewesen und wollte sich auf diese Weise mit anderen Royal-Fans austauschen. „Es ist viel interessanter, Royals zu verfolgen, als einfache Prominente“, sagt sie. Das Mittelalter gehöre außerdem zu ihren Lieblingsepochen. Sie teilt mit ihren rund 18.000 Followern also nicht nur die schicksten Outfits der Royals, sondern auch Wissenswertes über die Geschichte der Königsfamilien. Wenn sie mit einem Royal einen Tag verbringen könnte, wäre es Königin Silvia von Schweden, da sie – genauso wie Zuzanna – aus Heidelberg kommt. 

H.M. Drottning Silvia / HM Queen Silvia

Königin Silvia von Schweden ist kein Fan von Selfies. „Ich finde das nicht so sympatisch“, sagt sie, und lässt sich, wie hier, lieber professionell ablichten.

Foto: Kungshuset.se / Anna-Lena Ahlström / Königlicher Gerichtshof von Schweden

Die volksnahen Schweden

Königin Silvia ist die Frau des schwedischen Königs Carl XVI. Gustaf. Die beiden lernten sich übrigens in Deutschland kennen – bei den Olympischen Spielen in München 1972. Seit Beginn der Regentschaft 1973, genießen sie hohes Ansehen und große Beliebtheit in der Bevölkerung. Sie haben drei Kinder: Kronprinzessin Viktoria, Prinz Carl Philipp und Prinzessin Madeleine. Erste Thronfolgerin ist Kronprinzessin Viktoria, also die Erstgeborene. Sollte ihr Vater sterben, wird sie die nächste Königin Schwedens. Genau wie andere Monarchien, übernehmen auch die Schweden hauptsächlich repräsentative Aufgaben. Sie empfangen ausländische Staatsoberhäupter, überreichen den Nobelpreis, eröffnen den schwedischen Reichstag und nehmen zudem an Nationalfeierlichkeiten teil.

Solliden, juli 2016. Kungafamiljen. 
H.M. Konung Carl XVI Gustaf / HM King Carl XVI Gustaf; H.M. Drottning Silvia / HM Queen Silvia; H.K.H. Kronprinsessan Victoria / HRH Crown Princess Victoria; H.K.H. Prins Daniel / HRH Prince Daniel; H.K.H. Prinsessan Estelle / HRH Princess Estelle; H.K.H. Prins Oscar / HRH Prince Oscar; H.K.H. Prins Carl Philip / HRH Prince Carl Philip; H.K.H. Prinsessan Sofia / HRH Princess Sofia; H.K.H. Prins Alexander / HRH Prince Alexander; H.K.H. Prinsessan Madeleine / HRH Princess Madeleine; Herr Christopher O’Neill / Mr. Christopher O’Neill; H.K.H. Prinsessan Leonore / HRH Princess Leonore; H.K.H. Prins Nicolas / HRH Prince Nicolas

Hinten, von Links nach Rechts: Prinzessin Madeleine, ihr Ehemann Christopher O’Neil, Kronprinzessin Viktoria, ihr Ehmann Prinz Daniel, Prinzessin Sofia und ihr Ehemann Prinz Carl Philipp. Vorne: König Carl XVI. Gustav und Königin Silvia.

Foto: Kungahuset.se / Anna-Lena Ahlström, Königshof Schweden

Alles andere als altmodisch

„Manchmal brauchen wir ein bisschen royalen Glanz in unserem Alltag. Ich denke, die Royals werden noch viele viele Jahre Menschen auf der ganzen Welt begeistern“, sagt Zuzanna. Doch es muss nicht immer nur Glanz und Glamour sein. Kronprinzessin Viktoria geht auch gerne mal mit ihren Untertanen wandern – wie hier im Oktober in der Region Ångermanland in Schweden

2018-10-03, Landskapsvandringar, Ångermanland
Onsdagen den 3 oktober 2018 besökte Kronprinsessan Ångermanland för att genomföra sin femtonde landskapsvandring. Vandringen gick genom Skuleskogens nationalpark. Vandringen startade vid nationalparkens västra entré, passerade bl a Slottdalsskrevan och avlutades vid den östra entrén. 
Med vandringarna vill Kronprinsessan uppleva olika delar av Sverige under olika årsti3der samt synliggöra den skatt som den svenska naturen är för alla som lever och verkar här.

Hinten, von Links nach Rechts: Prinzessin Madeleine, ihr Ehemann Christopher O’Neil, Kronprinzessin Viktoria, ihr Ehmann Prinz Daniel, Prinzessin Sofia und ihr Ehemann Prinz Carl Philipp. Vorne: König Carl XVI. Gustav und Königin Silvia.

Foto: Kungahuset.se / Anna-Lena Ahlström, Königshof Schweden

Dem Vorwurf, Monarchien seien altmodisch und nicht mehr zeitgemäß, stimmt die Bloggerin nicht zu. „Die Aufgaben der Royals ändern sich und passen sich der Zeit an. Ich wäre stolz darauf, wenn mein Land von einer königlichen Familie repräsentiert werden würde.“

Auch Luisa betreibt einen Instagram-Blog über die royalen Familien – royalwomenofeurope heißt er. Ihrer Meinung nach sind die Königsfamilien hauptsächlich ein Touristenmagnet. „Wegen Angela Merkel wird vermutlich niemand nach Deutschland kommen.“ Wegen der Königsfamilien und ihren prunkvollen Palästen aber schon. 

DKH Kronsprinsparret, Prins Christian, Prinsesse Isabella, Prins Vincent, Prinsesse Josephine, DKH Prins Joachim og Prinseese Marie, PrinsHenrik, Prinsesse Athena, Prins Nikolai, Prins Felix, HM DronningAnne-Marie, HM Kong Konstantin, DKH Kronprins PAvlos og kronprinsesse PAclos, HM Dronningen, HKH Prinsgemalen, HKH Prinsesse Annemarie mfl., Kuppelsalen, Fredensborg - jul 2014.

Harmonie und Familienglück. Die dänische Königsfamilie beim offiziellen Weihnachtsfototermin im Schloss Amalienborg.

Foto von Steen Brogaard

„Ich glaube, dass Königshäuser auch so beliebt sind, weil sie meist Harmonie vermitteln, vor allem die junge Generation mit ihrem Nachwuchs. Oder auch, was den Style betrifft. Wer bewundert schon Politiker für ihren Kleidungsstil?“ Luisa findet es, im Gegensatz zu Zuzanna, gut, dass die Königsfamilien ein wenig altmodisch sind. „Wäre eine Monarchie nicht altmodisch, wäre ja auch der Reiz weg. Wäre es eine ganz normale Familie, würde es ja keinen interessieren. Die Traditionen machen eine Monarchie so besonders und einzigartig.“

Unsere royalen Nachbarn

Die dänische Königsfamilie gehört zu den ältesten Monarchien der Welt. Margarethe II. ist seit 1972 Königin und somit Staatsoberhaupt von Dänemark. Ihr Ehemann, Prinz Henrik, ist Anfang des Jahres verstorben. Sie hat zwei Kinder: Kronprinz Frederik und Prinz Joachim, beide sind verheiratet und haben ebenfalls Kinder. Die dänische Monarchie ist eine konstitutionelle Monarchie, man kann die Aufgaben von Königin Margarethe also gut mit den Aufgaben von Queen Elizabeth vergleichen – sie sind hauptsächlich repräsentativ.

Kronprinz Frederik und seine Frau, Kronprinzessin Mary.

Foto von Frankie Fouganthin

Auch die dänischen Royals genießen ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Besonders die Königin wird als Intellektuelle und Künstlerin geschätzt. Doch die Aufgaben der Royals bedeuten nicht nur, in schicken Kleidern mit anderen Royals und Politikern zu dinieren. Viele Monarchen sind auch Befehlshaber der Armee, wie beispielsweise König Harald V. von Norwegen – oder haben militärische Ausbildungen abgeschlossen.

„Royals liegen nicht nur auf der faulen Haut“

„Ich finde, dass Monarchie selbst eine alte Staatsform ist. Aber unsere heutigen Monarchien haben sich echt modernisiert. Royals unterstützen Wohltätigkeitsorganisationen und liegen nicht nur auf der faulen Haut“, sagt Bloggerin Jana, die seit zwei Jahren allerlei Aktuelles und Wissenswertes mit ihren rund 88.000 Followern auf europeanroyalty_ teilt. „Auch, dass Bürgerliche jetzt in die Königshäuser einheiraten, ist ein riesiger Fortschritt“, erklärt sie.

Foto 7_Prinzessin Mary_Kasper Kamuk

Kronprinzessin Mary von Dänemark besucht eine Militärübung in Bornholm.

Foto von Kasper Kamuk

Die politischen Norweger

Besonders politisch ist die norwegische Königsfamilie. König Harald V. hat nicht nur repräsentative Pflichten, sondern kann auch Regierungen entlassen und neue Minister berufen. Zwar nimmt er keinen direkten Einfluss auf die Politik Norwegens, wird aber stetig über sie auf dem Laufenden gehalten. Seine gesellschaftliche Rolle ist somit vergleichbar mit dem deutschen Bundespräsidenten. König Harald V. ist verheiratet mit Königin Sonja und hat zwei Kinder – Kronprinz und Thronfolger Hákon und Prinzessin Märtha Louise. 

Foto 8_Norwegische Königsfamilie_Jørgen Gomnæs

König Harald, Königin Sonja, Kronprinz Hakon und Kronprinzessin Mette-Marit posieren im Königlichen Schloss in Oslo.

Foto von Jørgen Gomnæs / The Royal Court.

Kronprinz Haakon mit seiner Ehefrau Kronprinzessin Mette-Marit.

Foto von Sølve Sundsbø, The Royal Court.

Kronprinz Haakon hat mit seiner Frau, Kronprinzessin Mette-Marit, zwei Kinder. Kronprinzessin Mette-Marit war, vor ihrer Hochzeit mit dem Thronfolger, eine Bürgerliche und brachte ihren Sohn Marius aus einer früheren Beziehung mit in die Familie. Dies sorgte zu Beginn für viel Diskussion in der Bevölkerung, wird aber heute weiterhin akzeptiert.

Glanz und Glamour im Alltag tut gut

Man sieht: Monarchie ist in. Und wer zunächst dachte, dass nur die sympatische Queen Englands und die Hochzeiten ihrer Enkelkinder begeistern, weiß jetzt, dass dem in Skandinavien nicht so ist. Denn die Königsfamilien stoßen dort auf viel Begeisterung und haben große Fangemeinden auf der ganzen Welt, auch in Deutschland. Harmonie, Glamour, Traditionen – die Gründe sind unterschiedlich, warum man die Royals verehrt. Aber eins haben alle Royal-Fans gemeinsam: ein bisschen Glanz und Glamour im Alltag tut gut. Auch wenn es nur auf dem Smartphone-Bildschirm ist.