Spitzenreiter Skandinavien

Spitzenreiter Skandinavien

Wie die kleinen Länder aus dem Norden anderen die Show stehlen

Leckere IKEA-Hotdogs, rote Holzhäuschen und faszinierende Polarlichter – wenn man über Skandinavien nachdenkt, kommt einem vieles in den Sinn. Doch auch bei den Fakten fallen die Skandinavier als weltweite Klassenbeste immer wieder auf.

Der Norden fasziniert die ganze Welt. Und das nicht umsonst: Sämtliche Rankings werden von den, vergleichsweise kleinen, Ländern angeführt. Könnte man Fortschritt einen Namen geben, wäre er Norden. Und dabei ist Norden so viel mehr, als nur ein gutes Vorbild.

Spitzenreiter Skandinavien

Wie die kleinen Länder aus dem Norden anderen die Show stehlen

Der Norden fasziniert die ganze Welt. Und das nicht umsonst: Sämtliche Rankings werden von den, vergleichsweise kleinen, Ländern angeführt. Könnte man Fortschritt einen Namen geben, wäre er Norden. Und dabei ist Norden so viel mehr, als nur ein gutes Vorbild.

Leckere IKEA-Hotdogs, rote Holzhäuschen und faszinierende Polarlichter – wenn man über Skandinavien nachdenkt, kommt einem vieles in den Sinn. Doch auch bei den Fakten fallen die Skandinavier als weltweite Klassenbeste immer wieder auf.

Spitzenreiter Skandinavien

 Wieso die Nordlichter es faustdick hinter den Ohren haben? Hier ein paar Beispiele:

Erneuerbare Energien

Vor allem in Sachen Klimapolitik können wir uns als Industrienation eine extradicke Scheibe abschneiden. Bereits zur Fußball-Weltmeisterschaft hat die Agentur für Erneuerbare Energien(AEE)basierend auf den Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) die diesjährigen Teilnehmerstaaten auf Herz und Nieren getestet. Das Ergebnis: Der Inselstaat Island ist Öko-Weltmeister. Der Fußballzwerg deckt seinen Strombedarf vollständig mit Erdwärme und Wasserkraft. Auch Dänemark und Schweden zählen zu den Topteams der Erneuerbaren-WM. Ihr Pluspunkt: Durch ihre Geografie können sie viel Wind- und Wasserkraft generieren, indem sie ihr hohes Windkraftpotenzial ausschöpfen und Biomasse zur Energiegewinnung nutzen.

REGENERATION

Laut einer FIFA-Schätzung verbraucht ein Fußballspieler rund 6,5 Megajoule pro Partie. Der Fußballer kann sich von Spiel zu Spiel körperlich und mental erneuern, das Energiesystem seines Staates leider häufig noch nicht.

Laut des diesjährigen Climate Change Performance Index (CCPI)entwickelte sich klimapolitisch kein Land gut genug, um die Note „Sehr gut“ zu erreichen. Und trotzdem: Schweden führt auf Platz vier die Rangliste an. Der Klimaschutzindex lässt darauf hoffen, dass wenigstens dieser Staat sein für 2030 gestecktes Klimaziel erreichen könnte. 

Das skandinavische Land hatte sich vorgenommen, insgesamt 28,4 Terawattstunden an erneuerbaren Energien zu produzieren – zum Vergleich: Das reicht aus, um 5.680.000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. Momentan sieht es sogar danach aus, als würden sie das schon früher schaffen.

SCHON GEWUSST?

Die Heldin der diesjährigen Klimakonferenz in Kattowitz (Polen) ist die 15-Jährige Greta Thunberg – aus Schweden, versteht sich. 

Seit dem Sommer schwänzt sie jeden Freitag die Schule, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. 

Nicht-englischsprachige Nation mit den besten Englischkenntnissen

Now we’ve got the salad: Deutschland liegt auf Platz zehn des weltweit größten Rankings, bei dem die Länder in ihren Englischkenntnissen bewertet werden. Dies zeigt der sogenannte EF English Proficiency Index(EF EPI), der das Englischniveau von 1,3 Millionen Menschen aus 88 Ländern vergleicht. Der Nummer-Eins-Streber im Englischunterricht ist demnach Schweden. Auch die Nachbarstaaten Norwegen, Dänemark und Finnland schaffen es im weltweiten Ranking unter die Top Ten. 

Das liegt vor allem an ihrer geringen Größe. Um in der großen, weiten Welt zu bestehen, ist eine internationale Ausrichtung für die kleinen Nationen umso wichtiger. Dort interessiert sich vor allem die Jugend für Bildung, um auf dem Weltmarkt zu bestehen. Dementsprechend investieren die Schweden mehr in ihre Sprachkenntnisse. Übrigens haben die Länder mit den Bestwerten, laut Bericht, folgende Dinge gemein: Sie unterrichten Englisch als Pflichtschulfach seit der Grundschule, Schwerpunkt des Unterrichts ist das Sprechen, weniger das Pauken von Grammatik. Reisefreudige Bürger und englischsprachige Inhalte im Fernsehen machen den Rest. Möglicherweise liegt es auch am Reichtum des Landes – wo mehr finanzielle Mittel vorhanden sind, wird eher in Bildung investiert.

SCHON GEWUSST?

Weniger als ein Viertel der englischsprachigen Weltbevölkerung sind Muttersprachler. Und dieser Anteil sinkt weiter, weil immer mehr Menschen Englisch als Zweitsprache lernen.

Hinzu kommt der sprachliche Ursprung: Dänisch, Schwedisch und Norwegisch sind allesamt germanische Sprachen – wie Englisch auch. Eine Sprache zu lernen, die der Muttersprache ähnlich ist, erleichtert Vieles.

FUN FACT:

Es gibt mindestens 1500 schwedische Wörter, die du bereits kennst, wenn du Englisch sprichst.

Innovation und Forschung

Englisch und Innovation gehen Hand in Hand. Es werden mehr wissenschaftliche Fachzeitschriften auf Englisch veröffentlicht als in jeder anderen Sprache. Das hängt auch mit den Investitionen in Forschung und Entwicklung zusammen.

Vor etwa einem Jahrhundert gehörte Schweden zu den ärmsten Nationen Europas. Wer hätte da gedacht, dass sie in Sachen Innovation einmal ganz vorne mit dabei sein würden. Nach dem diesjährigen European Innovation Scoreboardder Europäischen Kommission führt das Heimatland von IKEA die Rangliste europaweit an. Die schwedische Regierung legt ihren Schwerpunkt auf Investitionen in drei Sparten: Medizin, Technologie und Klima. Ihr Steckenpferd haben die Schweden dabei in der Biotechnologie – Pharmazeutika sind der Kassenschlager. Einige davon zählen sogar zu den meistverkauften Medikamenten der Welt.

Das skandinavische Land beherbergt Europas größte Tech-Unternehmen, zum Beispiel Mobilfunkhersteller Ericsson. Online-Dienste – wie etwa Spotifyoder Skype- entspringen schwedischen Federn. Die Gründerväter all dieser Errungenschaften kommen nicht von ungefähr: Die Genies von Morgen werden schon in der Schule dahingehend ausgebildet. Um junge Menschen für das Unternehmertum zu interessieren, arbeiten schwedische Schulen mit einer Vielzahl von Organisationen zusammen. Die neue Generation von Erfindern und Gründern nimmt zum Beispiel an Erfinderwettbewerben teil oder führt das eigene Unternehmen schon in der Oberstufe.

MADE IN SWEDEN

  • Herzschrittmacher
  • Ultraschall
  • Dreipunktgurt
  • Tetra Pak
  • Reißverschluss
  • Bluetooth
  • Sicherheitsstreichholz

Gründe für die schwedische Innovationskraft sind nicht nur eine lange Tradition schwedischer Erfinder und die finanzielle Unterstützung vom Staat, sondern auch das Bekenntnis zur Gleichstellung der Geschlechter in der Politik. 

Gender-Gap

Wenn es ein Musterland für Gleichberechtigung gibt, dann Schweden. Es gilt als Vorbild für das, was die deutsche Bundesregierung anstrebt: die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. 

SCHON GEWUSST?

In manchen skandinavischen Ländern liegt die Quote der weiblichen Studierenden bei rund 60%. Zum Vergleich: In Deutschland ist es nur knapp die Hälfte.

Der Global-Gender-Gap-Report(World Economic Forum) attestiert dem kleinen Land im Norden das beste Arbeitsumfeld für Frauen auf der Welt. Schweden glaubt, dass Frauen und Männer die gleiche Kraft haben sollten, die Gesellschaft zu formen. Das Wort „Feminismus“ wird in Schweden längst nicht so angespannt verwendet, wie anderswo. „Die Gleichstellung der Geschlechter ist von grundlegender Bedeutung für die Gesellschaft“, meint auch die schwedische Regierung: Sie haben sich deshalb nicht nur einer feministischen Außenpolitik verschrieben, sondern 2009 auch ein Gesetz gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung durchgesetzt. Danach müssen Arbeitgeber aktiv die Gleichstellung von Männern und Frauen fördern und Maßnahmen gegen Belästigung ergreifen. Fälle von Diskriminierung am Arbeitsplatz können dem Diskrimineringsombudsmannengemeldet werden.

GLEICHBERECHTIGUNG

Schwedens Ländernachbar Dänemark setzte 2007 ebenfalls ein entsprechendes Gesetz durch: den sogenannten Equal Pay Act. Demnach müssen Unternehmen mit mehr als 35 Mitarbeiter*innen ihre Gehalts-statistiken in Bezug auf das Geschlecht veröffentlichen.

Transparenz der Gehälter führt zu Lohngerechtigkeit, so sagt man. Mehr Transparenz bedeutet mehr Gerechtigkeit – klingt logisch. Demnach müsste sich die Gender-Pay-Gap schließen, wenn die Gehälter offengelegt werden. Allerdings ist das in vielen Ländern noch ein großes Problem. Ein diskriminierungsfreies Wunderland ist auch Schweden noch lange nicht.

Kinderbetreuung

Auch Eltern haben es in Schweden leichter. Nicht zuletzt, weil schwedische Mütter in der Kinderbetreuung entlastet werden. Die Kinder-und-Karriere-Gleichung geht wegen einer Familienpolitik auf, die berufstätige Eltern mit gleichen Rechten für Frauen und Männer unterstützt. So werden die Gebühren für Kindergarten und Vorschule beispielsweise proportional zum Einkommen der Eltern festgelegt. Dadurch ist die Kinderbetreuung für alle Eltern nicht nur garantiert, sondern auch bezahlbar. 

VORBILD

Auch hier macht sich die schwedische Vorbildfunktion bemerkbar: Schweden war 1974 das erste Land der Welt, das den geschlechts-spezifischen Mutterschafts-urlaub durch Elternurlaub ersetzt hat.

Der Sieg bleibt in der skandinavischen Familie: Laut einer Unicef-Studie der UN-Organisation zum Wohlergehen von Kindern belegt Norwegen Platz eins. Das liegt in erster Linie daran, dass die Lebenssituation von Müttern in Norwegen am besten ist. Sie sind im Durchschnitt gesünder, verlieren seltener Kinder und haben im internationalen Vergleich ein höheres Einkommen.

FORELDREPERMISION

Foreldrepermision: Damit erwerbstätige Eltern sorgenfrei und ohne beruflichen Stress die ersten Monate mit ihren Kindern zusammen sein können, dauert die Elternzeit ein bis anderthalb Jahre.

Dort geben die Kinder den Tagesrhythmus vor. Während Erstklässler hierzulande an Tischen sitzen und Zahlen schreiben, laufen sie in Norwegen durch den Wald und zählen Ameisen. Man legt Wert auf Spielen, soziales Lernen und den Spracherwerb. In Deutschland ist Erzieher ein Ausbildungsberuf mit kleinem Gehalt. Die norwegischen Erzieher hingegen sind studierte Akademiker.  

DAGIS (KINDERGARTEN)

Vorbildliche Familienpolitik: Seit 2008 hat jedes Kind einen rechtlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz.

Und damit nicht genug: Auch die Schwesterstaaten Dänemark, Finnland und Island zählen zu den Top zehn der kinderfreundlichsten Länder. Die Armutsrate unter Kindern in Skandinavien ist verhältnismäßig klein, wegen sozialer Transferleistungen, aber auch, weil die Kinderbetreuung besser organisiert ist und die Familie am Arbeitsplatz respektiert wird.

Höchste Lebensqualität

Dass Skandinavien den höchsten Lebensstandard der Welt bietet, galt bisher nur als Binsenweisheit. Nun ist es offiziell: Mit 90.26 von 100 Punkten erreicht Norwegen die Bestleistung beim diesjährigen Social Progress Index. Dank der stetig fließenden Einnahmen durch ihr hohes Ölvorkommen gelingt es den Norwegern, medizinische Versorgung und Bildung für jeden zugänglich zu machen. In diesen Bereichen schneidet das Land der Fjorde besonders gut ab.

Trotz langer Winter mit Tiefstwerten bis zu minus 45 Grad geht es auch den Menschen in Finnland richtig gut. Die Finnen können sich glücklich schätzen, denn vor allem persönliche Freiheit wird in ihrem Land großgeschrieben. 

3 FAKTOREN FÜR HOHEN LEBENSSTANDARD:

Menschliche Bedürfnisse

  • Medizinische Versorgung
  • Sanitäre Zustände
  • Wohnraum

Grundlagen für das Wohlbefinden

  • Bildung
  • Technologie
  • Lebenserwartung

Cancen und Möglichkeiten

  • Persönliche Freiheiten
  • Toleranz
  • Chancengleichheit

Die Ergebnisse zeigen: Ohne eine starke Wirtschaftsleistung ist ein guter Lebensstandard für die Bevölkerung kaum möglich. Die ersten Ränge werden ausschließlich von Industrienationen eingenommen, Schwellenländer hingegen sind nicht vertreten.

Länder-Image

Trommelwirbel, bitte. Der Pokal für das beste Länder-Image geht aaaaaan… SCHWEDEN! Wer hätte das gedacht? 

Von allen Ländern der Welt genießt Schweden das höchste Ansehen, das bescheinigen zumindest die Ergebnisse der jährlichen Studie Country RepTrak vom Reputation Institute in New York.  Dafür gibt es mehrere Anhaltspunkte.

Warum Schweden seinen guten Ruf mehr als verdient hat

Es ist einfach, dort Geschäfte zu machen: Platz 1 der jährlichen Forbes-Liste der besten Länder für Unternehmen. Heimat einiger der bekanntesten Marken der Welt: Darunter Volvo, Electrolux, Ericsson, H&M. Weltweit wettbewerbsfähig: Hohe Beschäftigungsquote, guter Arbeitsmarkt. Platz 6 des Global Competitiveness Index. Gute Gleichstellung der Geschlechter: Mehr als 81% der gesamten geschlechtsspezifischen Diskrepanzen sind geschlossen. Niedriges Korruptionsniveau: Platz 4 des Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International. Überdurchschnittliche Innovationsleistung: Führend in Sachen Humanressources und der Qualität der akademischen Forschung. Starker Pass: Schwedische Passinhaber haben ungehinderten Zugang zu fast allen visumsfreien Ländern. Sorgenfrei altern: Gedeckte Renten, keine Altersarmut.

PS: Wenn du schwedisch bist, darfst du jetzt ziemlich stolz auf dich sein.

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