Klimawandel als Chance: Islands Megahafen Finnafjord

Der Finnafjord, isländisch Finnafjördur, ist ein 4,5 Kilometer breiter Fjord im äußersten Nordosten Islands. In diesem Gebiet leben aktuell circa 500 Menschen, die maßgeblich vom Fischfang abhängig sind. Dort soll der Megahafen Finnafjord in den nächsten Jahren gebaut werden.
22. Januar 2019

Der aktuelle Stand

Der Bau des Megahafens Finnafjord soll Weichen für die Zukunft Islands stellen. Mit der sogenannten „arktischen Seidenstraße“ möchte das deutsche Unternehmen bremenports eine einmalige Chance nutzen. Während die ersten Investoren ihre Anker vor Island auswerfen, dürstet bereits jetzt die strukturschwache Region rund um den geplanten Hafen nach neuen Arbeitsplätzen.
Der Hafen soll nicht nur neue Routen für Frachtschiffe eröffnen, sondern auch als Umschlagplatz für künftige Bodenschätze wie Erdöl und Gas aus der Arktis dienen.
Was hat eine deutsche Hafenmanagementgesellschaft aus Bremerhaven mit Island zu tun? Island liegt auf dem Mittelatlantischen Rücken, und ist ein ideales Verbindungsstück zwischen Europa und Nordamerika. Durch Klimawandel und Eisschmelze rückt Island ins internationale Zentrum der Handelsschifffahrt und eröffnet so kürzere Routen für Frachtschiffe.
Die Verträge sollen laut Holger Bruns, Pressesprecher der bremenports, im Frühjahr 2019 unterzeichnet werden. Gespräche und Verhandlungen mit den interessierten Parteien gibt es bereits seit 2013. Die Bauplanungen selbst werden mindestens fünf Jahre in Anspruch nehmen, so dass mit einem Baubeginn nicht vor Mitte des kommenden Jahrzehnts zu rechnen ist.

Der Hafen als Verbindungsstück

„Bremenports hat das Arctic Commitment unterzeichnet, und steht für eine nachhaltige greenports-Strategie,“ so Bruns. Die greenports-Strategie ist eine Nachhaltigkeitsstrategie der Bremischen Häfen (Bremen und Bremerhaven) und unterstützt alle Initiativen, die daran arbeiten, Schweröl als Schiffsantrieb durch andere ökologisch vertretbare Antriebsarten zu ersetzen. Das Ziel dieser Strategie soll es sein, den Hafen in Finnafjord als 0-Emmisions-Hafen zu betreiben.

Die Route durch den Sueskanal, eine Verbindung zwischen Nordatlantik und dem Indischen Ozean, befahren Handelsschiffe aus Europa, um in Richtung Asien zu gelangen. Insgesamt beträgt diese Route circa 20.000 Kilometer. Durch den Anstieg der Meere, sowie einem Anlegehafen wie dem Finnafjord, könnte man die Strecke durch die Arktis um 6000 Kilometer, also drei Wochen Fahrzeit verkürzen. Die Strecke Rotterdam nach Tokio verkürzt sich um bis zu zehn Tage—15.900 Kilometer statt 21.100 Kilometer.

Quelle: https://bremenports.de/finnafjord/picture-galleries/

Das Finnafjord, Island

Foto von bremenports

Naturschutz und Zukunft

Kritiker sehen dieses Projekt als zu starken Eingriff in das sensible Ökosystem Islands. Sie befürchten Umweltverschmutzung durch Öl, Industrieabfälle an der Küste und eine zu starke Veränderung von Flora und Fauna. Natürlich gibt es aber auch Gegenstimmen: gegenüber Radio Bremen, teilt der Isländer Arni Finnsson von der Iceland Nature Conservation Association (INCA) mit, dass das Verbrennen von Schweröl natürlich Ruß erzeugt. Dieser Ruß legt sich wie ein Schleier auf das Eis. Eine schnellere Eisschmelze der Arktis sei damit vorprogrammiert. Durch weiteres Vordringen des Menschen in arktische Regionen, stelle dies auch eine Gefahr für die dort lebenden Tiere dar.

Durch den globalen Klimawandel verbessern sich auch die Bedingungen für die Schifffahrt. Neue Handelswege durch eisfreie Passagen machen Island paradoxerweise zur idealen Zwischenstation der Nordpolarrouten Richtung Arktis. Holger Bruns: „Die Hafenplanung wird nicht gemacht, um die Schifffahrt in die Region zu locken, sondern trägt der Veränderung der Schifffahrtrouten Rechnung. Diese werden sich aufgrund der Eisschmelze in der Arktis in den kommenden Jahrzehnten neu ausrichten.“ Ohne diese Neuplanung gäbe es zum Beispiel keinen Hafen in der Region, von dem aus Rettungsaktionen organisiert werden könnten, oder Schiffe im Falle von starken Stürmen Schutz suchen, erklärt Bruns weiter.

Siggeir Stefansson gehört zum Gemeinderat der Kommune Langanesbyggð. Gegenüber Radio Bremen teilt Stefansson mit, dass keine Industrie-Dreckschleudern den Hafen anfahren sollen. Stefansson sieht den Spagat zwischen Umweltschutz und Arbeitsplätzen durchaus als Chance, die sehr genau geprüft werden müsse

Pro Jahr werden rund um Islands Gewässer bis zu 2 Millionen Tonnen Fisch im Wert von 58 Milliarden Isländischer Kronen, umgerechnet 422 Millionen Euro aus dem Meer gefangen. Bis in die 80er Jahre war die Fischindustrie Islands Exportschlager: 80 Prozent des jährlichen Exports kam durch die Fischerei zustande. Zu Zeiten von Tourismus und der Aluminiumindustrie ist der Anteil der Fischindustrie zwar unter 50 Prozent gesunken, allerdings zeigt diese Statistik auch, dass die Fischerei weiterhin ein wichtiger Wirtschaftszweig der isländischen Volkswirtschaft, sondern wäre auch für Logistikunternehmen interessant. Dort soll dann in Zukunft die Verarbeitung von Eisenerz und seltener Erden aus Grönland vorangetrieben werden. Dadurch, dass Island stark auf Geothermie setzt, sind die Preise für Energie niedrig, um künftige Fabriken profitabel zu nutzen.